Buchvorstellung

Johan Månssons Seebuch der Ostsee von 1644

Eine – fast vergessene – Erfolgsgeschichte erzählt von Dr. Boye Meyer-Friese und Dr. Albrecht Sauer

Am Donnerstag, 28. April, konnten sich die zahlreichen Gäste über eine launige Veranstaltung im Schiffahrtsmuseum Unterweser freuen. Mit Boye Meyer-Friese und Albrecht Sauer trafen zwei versierte Schifffahrtshistoriker zusammen, um einen frühneuzeitlichen Bestseller zu präsentieren: Das Seebuch der Ostsee des Johann Månsson von 1644, dessen erste Auflage in Stockholm erschien. Bis 1786 erhielt es mindestens 23 Neuauflagen und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Damit war dieses Segelhandbuch für die Ostsee ein navigatorischer Bestseller der damaligen Zeit. Die 2020 von Boye Meyer-Friese umfassend kommentierte und vom Deutschen Schiffahrtsmuseum herausgegebene Druckschrift bietet einen tiefen Einblick nicht nur in die Segelpraxis vergangener Jahrhunderte, sondern zugleich auch in die Mentalitätsgeschichte der damaligen Zeit. „Nehmen Sie dieses Buch einmal mit auf Ihre nächste Ostseefahrt und orientieren Sie sich nach diesen Anweisungen“, so Meyer-Friese, selbst passionierter Segler, der alle Angaben des Buches in der Praxis erprobt und nachgerechnet hat. „Es dürfte unter Beachtung der drei wichtigsten, seemännischen Hilfsmittel, nämlich das Log, das Lot und den Ausguck, immer noch gut funktionieren, obwohl beispielsweise viele Angaben über Distanzen weder nach heutigen Maßstäben präzise und teilweise auch nicht korrekt sind.“ Als abendliche Bettlektüre sei das im wahrsten Sinne des Wortes mit 347 Seiten inhaltsschwere Werk allerdings nicht zu empfehlen, kalauerte Meyer-Friese mit einem Augenzwinkern: „Sollten Ihnen beim Lesen die Augen zufallen, könnte es sie erschlagen.“ Über die Buchvorstellung hinaus hatte Museumsleiterin Dr. Christine Keitsch einen Schatz aus der Vitrine geholt: Den „Spieghel der Zeevardt“ des Lucas Janszoon Waghenaer, von dem das Museum ein Exemplar der deutschsprachigen Ausgabe von 1589 in seiner Dauerausstellung zeigt. Albrecht Sauer erläuterte den farbenprächtigen Band und ermöglichte dem Publikum einmalige, hautnahe Einblicke. Musikalisch passend untermalt wurde der spannende und vergnügliche Abend mit Musik des 16., 17. und 18. Jahrhunderts, dargeboten durch das „Consort Allerley“ unter der musikalischen Leitung von Karin Otto.

Boye Meyer-Friese
Albrecht Sauer
Johan Månssons Seebuch der Ostsee von 1644
Eine – fast vergessene – Erfolgsgeschichte
Schriften des Deutschen Schifffahrtsmuseums
Band 73, 2020
ISSN: 0343-3625
ISBN: 978-3-86927-073-9