Sammlungskonzept

Sammlungskonzept des Schiffahrtsmuseums der oldenburgischen Unterweser e. V.

Einleitung:

Das Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser e. V. wurde 1960 von einem privaten Trägerverein nach Vorbild des Fördervereins des Focke-Museums, Bremen, gegründet.

Thematischer Sammlungsschwerpunkt ist die regionale oldenburgische Schifffahrtsgeschichte in ihrem gesamten Kontext (Häfen, Schifffahrt, Reedereien, Werft- und Bootsbau, maritime Ausbildung, Fischerei, Standortentwicklung, Biographien).

Die Region ist auch im nationalen und internationalen Vergleich seit Beginn des 19. Jahrhunderts von nicht unerheblicher Bedeutung. Spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts war Brake größter Überseehafen des Großherzogtums Oldenburg und ist bis heute als Seehafen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Schon 1832 wurde in Elsfleth eine Navigationsschule eingerichtet. Im Zuge der Revolution von 1848 war Brake kurzzeitig zweiter Standort für die erste gesamtdeutsche Marine. 1875 war Elsfleth drittgrößter Reedereistandort des damaligen Deutschen Reiches. Mit Gründung des Deutschen Schulschiffvereins unter der Schirmherrschaft des Oldenburger Großherzogs Friedrich August im Jahre 1900 wurden Brake und Elsfleth Liegehäfen der berühmten Großsegler, deren Heimathafen Oldenburg war. Ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert war die Heringsfischerei von großer Bedeutung. Die Region war und ist bis heute Standort namhafter Werften, Reedereien, maritimer Wirtschaftsunternehmen und des Fachbereichs Seefahrt der Jade-Hochschule, einer der größten europäischen, seefahrtsbezogenen Ausbildungseinrichtungen, der aus der oben erwähnten Navigationsschule hervorging.

Auch die Bevölkerung ist auf vielfältige Weise mit der Seefahrt, mit der Fischerei und dem Walfang verbunden. Aus diesem besonderen maritimen Charakter der Region geht auch die Bedeutung der Sammlung des Museums hervor.

Den Grundstock der Sammlung bildeten Objekte und Archivalien aus dem Besitz der Stadt Brake sowie aus der Hand zweier privater Sammler: Museumsgründer und Leiter Dr. Fritz Carstens sowie dessen Nachfolger Dr. Carl Reinecke.

Eine wesentliche Ergänzung der Sammlung erfolgte im Zuge der Neueröffnung von „Haus Elsfleth“ durch Übernahme von Objektbeständen der Jade-Hochschule sowie aus der Hand des Privatsammlers Heinz D. Janssen.

Als eines von rund 30 Museen mit schifffahrtsgeschichtlichem Schwerpunkt bundesweit verfügt das Haus heute über eine auch im überregionalen Kontext sehr bedeutende Sammlung. Sie wurde im Laufe der vergangenen Jahrzehnte und wird weiterhin konsequent durch Ankäufe, Schenkungen und Nachlässe ausgebaut.

Grundlagen:

Grundlage für die Sammeltätigkeit des Schiffahrtsmuseums Brake sind die ICOM-Richtlinien für Museen.

Bestandsgruppen und Schwerpunkte:

Aktuell (Stand Juli 2019) umfasst die Sammlung 7.233 Objekte, 2.236 Archivalien und 2.965 Fotografien. Einen besonderen Schwerpunkt bilden Kapitänsbilder und Gemälde (215), Grafiken (372), Dioramen (53), Halbmodelle (67) sowie Schiffsmodelle.

Das SMU verfügt ferner in seinem Sammlungsbestand über rund 365 historische Seekarten unterschiedlicher Provenienz des 16., 17., 18. und 19. Jahrhunderts.

Weitere wichtige Sammlungsbestände sind Navigationsinstrumente, Oktanten, Sextanten sowie Chronometer und Schiffskompasse, Schiffsapotheken, Textilien, seemännische Souvenirs des 19. und 20. Jahrhunderts sowie in kleinerem Umfang volkskundliche und ethnologische Objekte.

Darüber hinaus ist der Bereich Holzbootsbau mit einer umfangreichen Sammlung aus Privatbesitz vertreten.

Von Bedeutung sind ferner Unternehmensnachlässe, Seefahrtsbücher, Schiffstagebücher, sowie maritime Gegenstände, Dokumente oder Zeugnisse mit regionalem biographischem Bezug.

Nicht zuletzt sind diverse maritime Großobjekte (Maschinen, Winden, Fahrwassertonnen etc.) im Sammlungsbestand enthalten.

Zweck und Ziel der Sammlung:

Entsprechend seiner Satzung widmet sich das Museum der Sammlung und Bewahrung maritimen Kulturgutes, mit dem Schwerpunkt der regionalen Schifffahrtsgeschichte, insbesondere von Objekten und Archivalien, die einen Bezug zur oldenburgischen Schifffahrt und zu den oldenburgischen Weserhäfen bzw. der gesamten oldenburgischen Unterweser haben.

Das bedeutet für das Sammlungskonzept des Museums, dass:

• Objekte, die in die Sammlung aufgenommen werden, einen Bezug zur oldenburgischen Schifffahrt haben müssen. Hierbei finden ebenfalls Objekte Berücksichtigung, die mittelbar in einem Zusammenhang mit der regionalen Schifffahrtsgeschichte zu sehen sind. Insbesondere betrifft dies all jene Zeugnisse, die Leben und Arbeit im Umfeld der hiesigen Schifffahrt dokumentieren.

• in Ausnahmefällen Objekte in die Sammlung aufgenommen werden können, wenn sie für die didaktische Vermittlung des Themas eine wichtige Ergänzung darstellen, sofern ähnliche Objekte nicht bereits in der Sammlung vorhanden sind.

Weitere Bedingungen:

Bei übernommenen Objekten muss es sich nachweislich um Originale handeln. Die Provenienz der Objekte und ihre Verwendungsgeschichte müssen möglichst bekannt sein. Zudem muss der Bezug zur regionalen Schifffahrtsgeschichte nachweisbar sein, d.h. er muss in den Museumsakten entsprechend dokumentiert werden.

Der Erwerb von Dubletten soll grundsätzlich vermieden werden.

Es sollen nur planmäßig Objekte gesammelt werden, die eine wichtige Ergänzung der jeweiligen ständigen Ausstellung des Museums und eine wichtige und sinnvolle Ergänzung der Sammlung des Museums bzw. hinsichtlich der vom Museum verfolgten Sammlungsziele darstellen.

Verantwortlichkeit:

Für die Sammlung ist die fachliche Museumsleitung zuständig.

Verpflichtungen:

Mit der Übernahme eines Objektes in die Sammlung verpflichtet sich das Schiffahrtsmuseum, den Gegenstand zu erhalten. Daher muss die konservatorische Betreuung von aufgenommenen Objekten gesichert sein: die klimatischen Bedingungen der Lagerung, personelle Kapazitäten, Mittel für eine eventuelle Restaurierung eines Objekts, das in einem schlechten Zustand ins Haus kommt. All dies sollte möglichst schon bei Aufnahme des Objektes geregelt sein.

Wenn Objekte restauratorisch aufbereitet werden müssen, so muss gewährleistet sein, dass dies entsprechend der aktuellen Standards in der Restaurierung (einschließlich Restaurierungs- Dokumentation) geschieht. Wenn dies aus eigener Kraft nicht geleistet werden kann, ist entsprechende externe Fachkompetenz heranzuziehen.

Objekte aus der Sammlung dürfen grundsätzlich nicht veräußert und nur in besonderen Ausnahmefällen vernichtet werden.

Objekte aus der Sammlung, die keinen Bezug zum Sammlungsschwerpunkt haben, müssen hinsichtlich eines weiteren Verbleibs in der Sammlung auf den Prüfstand gestellt werden. Die Sammlung muss auf diese Objekte hin regelmäßig gesichtet werden. Hinsichtlich des Umgangs mit diesen Objekten orientiert sich das SMU an den Richtlinien „Ethische Richtlinien für Museen“ und den „Leitfaden Deakzession“ der ICOM.

Objekte, die aufgenommen werden, dürfen keinesfalls – etwa bedingt durch Schädlingsbefall oder eine starke Belastung durch Umweltgifte – andere Sammlungsbestände gefährden.

Über die Aufnahme eines Objektes in die Sammlung entscheidet die fachliche Museumsleitung, die auch das Inventarbuch führt.

Wissenschaftliche Erschließung:

Alle Objekte und Archivalien sind wissenschaftlich möglichst zu erschließen. Diese Erschließung beginnt idealer Weise bereits bei der Annahme eines Objektes sowie dem weiteren Prozedere der Aufnahme in den Bestand und der Inventarisierung.

Zugänglichkeit:

Die Sammlung des SMU ist für Wissenschaft und Forschung zugänglich. Grundsätzlich werden Recherchen nach vorheriger Anmeldung und unter der Prämisse einer fachlichen Betreuung durch die Museumsleiterin oder einen entsprechenden Mitarbeiter/Fachbereichsleiter ermöglicht. Dafür wird ein entsprechender Arbeitsplatz im Bereich der Bibliothek vorgehalten.

Zukünftige Planungen/Ziele:

Stets abhängig von den personellen Ressourcen sollen alle Sammlungsobjekte und Archivalien:

Möglichst zeitnah inventarisiert werden. Die Bestände sollen kontinuierlich möglichst umfänglich einer wissenschaftlichen Erschließung zugeführt werden.

Das SMU strebt in Hinsicht auf eine verbesserte Zugänglichkeit seiner Sammlung eine nachhaltige Vernetzung mit anderen regionalen, nationalen und europäischen maritimen Sammlungen an.

Der Schwerpunkt der Sammlungstätigkeit soll sich zukünftig ergänzend auch verstärkt auf Objekte und Archivalien der oldenburgischen Schifffahrtsgeschichte des 20. Jahrhunderts konzentrieren. Darüber hinaus ist eine Ergänzung von Objekten mit stadtgeschichtlichem Bezug wünschenswert, da die Entwicklung der entsprechenden Standorte, insbesondere jedoch Brake, explizit von der Entwicklung des Hafens abhängig war und bis heute abhängig ist.

Hinsichtlich der bisherigen Datenerfassung ist langfristig eine komplette Revision überaus wünschenswert.

Gültigkeit:

Die Sammlungsstrategie soll idealerweise in regelmäßigen Abständen, spätestens jedoch nach Ablauf von fünf Jahren, überprüft werden. Eine Überprüfung muss vor allem dann zeitnah erfolgen, sobald sich Rahmenbedingungen innerhalb des Museumskonzeptes insgesamt verändern.

Brake, den 10.7.2019

(Dr. Christine Keitsch)
   Museumsleiterin