Sammlungspflegekonzept

Sammlungspflegekonzept des Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser e. V.

Einführung:

Das Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser e. V. verpflichtet sich mit dieser ersten Grundlage eines Sammlungspflegekonzept zur Einhaltung der grundlegenden Anforderungen zur nachhaltigen Bestands- und Sammlungspflege nach den bisher vorliegenden Richtlinien der ICOM und des deutschen Museumsbundes. Das vorliegende Sammlungspflegekonzept ist noch im Aufbau befindlich und bedarf der regelmäßigen Erweiterung und Überarbeitung. Es ist als vorläufiges Grundsatzpapier zu verstehen und wird ergänzt durch:

1) Die Magazin/Depotordnung
2) Die Regeln im Umgang mit Sammlungsobjekten
3) Die Archiv- und Bibliotheksordnung
4) Einen Wartungsplan (in Vorbereitung)
5) Einen Notfall-Objektbergeplan (in Vorbereitung)

Aktuelle Situation und Übersicht:

Das Schifffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser e. V. (SMU) verfügt über insgesamt 4 Gebäude mit einer Gesamtfläche von rund 2.000 Quadratmetern. Die Häuser Borgstede & Becker sowie Telegraph in Brake sowie das Haus Elsfleth präsentieren die Dauerausstellungen auf knapp 1.200 Quadratmetern. Das Haus Borgstede & Becker verfügt darüber hinaus über einen Sonderausstellungsbereich von 85 Quadratmetern. Im so genannten Packhaus, in der Breiten Straße 7a in Brake, befindet sich der Verwaltungssitz des Museums.

Insgesamt verfügt das SMU in seinen Häusern Borgstede & Becker, Packhaus sowie Haus Elsfleth über rund 450 Quadratmeter Magazin- und Depotfläche. Hinzu kommt ein Außenmagazin am Hafen, in dem unempfindliche Großobjekte untergebracht sind.

Die Dauerausstellungen befinden sich in Räumlichkeiten mit der Möglichkeit zur Klimaregulierung (Heizung, Belüftung, Lichtschutz bzw. Lichtsteuerung) und sind klimaüberwacht. Die Häuser Borgstede & Becker sowie Haus Elsfleth wurden 2007 bzw. 2010 im Rahmen einer Neugestaltung bzw. Neueinrichtung weitestgehend unter Hinsicht auf klimatische Bedingungen saniert. Das Telegraphengebäude wurde 2012 bis 2014 vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen des Denkmalschutzes gleichfalls überarbeitet und teilsaniert. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden auch so genannte Klimalogger zur systematischen Klimaüberwachung, sowie Luftbefeuchter angeschafft. Der Telegraph wurde bereits mit LED-Lichttechnik ausgestattet.

Da alle Häuser unter Denkmalschutz stehen und daher nach den Richtlinien des Niedersächsischen Denkmalpflege-Gesetzes gehandelt werden musste, wird eine weitere
Optimierung in Hinsicht auf eine energetische Sanierung beispielsweise, zu den zukünftigen Herausforderungen zählen.

Der überwiegende Teil der Depotflächen befindet sich in entsprechend sanierten Räumlichkeiten mit der Möglichkeit zur Klimaregelung. (Heizung, Belüftung, Lichtschutz). Der überwiegende Teil der Depot/Magazinflächen wird dauerhaft klimaüberwacht. Ausnahmen sind die Depotflächen im Kellerbereich von Haus Borgstede & Becker sowie das Außenmagazin für Großobjekte, das sich am Braker Hafen befindet.

Eine Begehung und Begutachtung durch einen Fachmann im Rahmen der Museumsregistrierung ergab zunächst eine solide Grundsituation. Allerdings wurden Handlungsfelder benannt, in denen zukünftig Optimierungsbedarf besteht.

Dazu zählen u. a.:

1. Verbesserte Überwachung des Raumklimas in den Dauerausstellungen durch sinnvolle weitere Ergänzung der bereits vorhandenen Datenmesser (Klimalogger, teilweise umgesetzt)
2. Nachrüstung von „Haus Elsfleth“ mit stationären Klimaloggern (teilweise umgesetzt)
3. Entflechtung der Mischbelegung innerhalb der Depots, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Raumverhältnisse soweit möglich (teilweise umgesetzt)

Diese Bereiche sind bereits in Überarbeitung bzw. werden und sollen mittelfristig verbessert werden.

Alle Depots und Magazine sowie die Dauerausstellung unterliegen regelmäßigen Kontrollen durch die Museumsleitung, den/die Depot- und Magazinleiter*in sowie – in der Dauerausstellung – die Museumswartinnen und Museumswarte. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ob haupt- oder ehrenamtlich- sind für die besonderen Belange der Sammlungspflege zu sensibilisieren und sorgfältig einzuarbeiten. Wenn möglich sollen die Mitarbeiter*innen ermuntert und dahingehend unterstützt werden, Fortbildungen zu absolvieren.

Sowohl die Dauerausstellungen als auch die Magazin-/Depoträume werden regelmäßig gereinigt. Es besteht Lichtschutz. Die Lichtzufuhr in der Dauerausstellung ist zudem durch Bewegungsmelder geregelt.

Wertvolle Grafiken, Dokumente und Objekte sind in den Häusern Borgstede & Becker sowie in Haus Elsfleth durch spezielle Ausstellungsbauten geschützt (Schubläden, abgedunkelte Vitrinen, bewegliche Filzabdeckungen) Diese präventiven Maßnahmen sollen auch bei der anstehenden Neugestaltung der Dauerausstellung im Telegraphen Berücksichtigung finden.

Zuständigkeit:

Die Verantwortung für die Sammlung obliegt der fachlichen Museumsleitung. Die Betreuung der Magazine/Depots hat der/die Fachbereichsleiter*in. Dieser/diese übernimmt die fachliche Anleitung der ihn/sie unterstützenden Mitarbeiter*innen und koordiniert die Arbeitsabläufe. Er/sie handelt in enger Abstimmung mit der Museumsleitung. Seit dem 1. Juni 2019 wird diese Aufgabe von der hauptamtlichen Mitarbeiterin „Technischer Dienst“ (Stellenumfang 20 Wochenstunden) mit übernommen. Sie wird unterstützt von den Museumswart*innen und einem Team ehrenamtlicher Mitarbeiter*innen sowie durch die hauptamtliche Mitarbeiterin (Umfang 18 Wochenstunden), die für Inventarisierung und Dokumentation zuständig ist.

Räumliche Ausstattung der Depots/Magazine:

Die Sammlungsobjekte und Archivalien sind möglichst in geeigneten Materialien (z. B. säurefreie Kartons und Verpackungsmaterialien) zu lagern und aufzubewahren.

Es sind möglichst geeignete Regal- bzw. Schranksysteme zu verwenden.Der Lichteinfall ist möglichst gering zu halten, z. B. durch Abdunkelung der Fenster oder das Aufbringen von Lichtschutzfolien.

Starke Klimaschwankungen, z. B. durch Witterungsbedingte Umstände, sind möglichst zu vermeiden. Daher sollten die Räumlichkeiten eine ausreichende Isolierung vorweisen

Pflege und Wartung:

Die Dauerausstellungen als auch die Depots und Magazine sind regelmäßig zu kontrollieren. Diese Kontrollgänge werden von der Museumsleitung, von dem/der zuständigen Fachbereichsleiter/In sowie in der Dauerausstellung durch die Museumswarte vorgenommen. Diese sind vorab zu instruieren und auf bestimmte Schwerpunkte aufmerksam zu machen.

Die Räumlichkeiten sind grundsätzlich sauber zu halten. Der Ausstellungsbereich muss möglichst täglich, mindestens jedoch einmal wöchentlich oberflächlich gereinigt werden. Der Reinigungsaufwand richtet sich auch nach dem Besucheraufkommen und nach der Witterung.

Die Depots und Magazine müssen regelmäßig gereinigt werden. Einmal jährlich sollte eine Intensivreinigung stattfinden.

Die Dauerausstellungen sowie die Magazine und Depots sind regelmäßig auf Schädlingsbefall zu kontrollieren. Hierfür werden auch einzelne Objekte unterschiedlichster Materialien stichprobenartig kontrolliert.

Einmal jährlich empfiehlt sich der Aufbau einer einfachen Lichtfalle, um grundsätzlich einen Überblick über mögliche in Depot- und Magazin befindliche Schädlinge zu erhalten.

Objekte mit Schädlingsbefall sind umgehend zu isolieren und einer fachlichen Behandlung zuzuführen.

Überwachung/Kontrolle:

Sowohl die Dauerausstellung als auch die Magazine/Depots sind durch Schließanlagen sowie Brandmelde- und Einbruchsmeldeanlagen geschützt. Über die Schlüssel verfügen die Museumsleitung und der/die Fachbereichsleiter*in. Darüber hinaus ist ein Schlüssel für die Museumswart*innen zugänglich, die im Notfall Zutritt haben müssen.

Vor Betreten der Depots/Magazine erfolgt der Eintrag in das Depotbuch, beim Verlassen der Räumlichkeiten muss der Austrag erfolgen. Der/die verantwortliche Museumswart*in hat den Eintrag gegenzuzeichnen. (Siehe auch: Depot-/Magazinordnung) In den Magazinen der Häuser Borgstede & Becker sowie in Haus Elsfleth erfolgt die Dokumentation über Einträge in die zentralen Logbücher, die von den Museumswart*innen zu führen sind. Das Telegraphengebäude verfügt nicht über Magazine/Depoträume.

Raumklima und Licht:

Das Raumklima der einzelnen Depots und Magazine sowie der Dauerausstellung wird weitestgehend von den sanierungstechnischen Gegebenheiten der denkmalgeschützten Gebäude bestimmt. Hier gilt es vor allem, starke Schwankungen des Raumklimas zu vermeiden, Lichtschutz zu gewährleisten sowie die bereits bestehende Klimaüberwachung auszubauen und zu optimieren. Alle Häuser sind möglichst zeitnah mit LED-Beleuchtung auszustatten. Das Telegraphengebäude konnte bereits vollständig, das Haus Borgstede & Becker teilweise entsprechend umgerüstet werden.

Die Auswertung der Klimadaten ist regelmäßig zu gewährleisten und entsprechende Maßnahmen sind zu ergreifen.

Hinsichtlich der Depotbelegung ist anzustreben, die Mischbelegung soweit möglich zu reduzieren und bei der Belegung die Grundverhältnisse der Raumklimata zu berücksichtigen.

Sicherheit:

Die Erstellung eines komplexen Notfall- und Bergeplans für Kulturgut wird als dringliche Maßnahme angesehen und ist möglichst kurzfristig umzusetzen. Ein Anschluss an bestehende Netzwerke oder aber die Gründung eines eigenen Notfallnetzwerks für Kulturgut, beispielsweise im Museumsverbund Wesermarsch, ist dringlich anzuregen.

MitarbeiterInnen:

Die in der Dauerausstellung sowie in Depot- und Magazin eingesetzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind grundsätzlich vorab für die besonderen Belange der Sammlungspflege zu sensibilisieren und sorgfältig einzuweisen. Hierbei ist intensiv auf die Depotordnung sowie die Richtlinien für den Umgang mit Sammlungsobjekten einzugehen. Zuständig dafür sind die Museumsleitung sowie der/die zuständige Fachbereichsleiter*in.

Der Schulungsbedarf ist regelmäßig zu ermitteln und wird durch den häufigen Wechsel im Bereich der AGH-Kräfte evident bleiben. Hier sind Fortbildungsangebote wahrzunehmen, stets vor dem Hintergrund eines knappen Budgets. Entsprechend sind Angebote seitens der Museumsverbände zu berücksichtigen.

Gültigkeit:

Wie eingangs bereits erläutert, ist das vorliegende Sammlungspflegekonzept als Arbeitspapier anzusehen, das erweitert und laufend aktualisiert werden muss. Es bedarf spätestens nach Ablauf von zwei Jahren einer gründlichen Überprüfung und ggf. Überarbeitung. Langfristig ist anzustreben, möglichst für alle Objektgruppen gezielte Pflegekonzepte zu entwickeln. Dies setzt jedoch eine zunehmende Professionalisierung und bessere personelle und finanzielle Kapazitäten voraus.

Brake, d. 15. Juli 2019

(Dr. Christine Keitsch)
    Museumsleiterin