“Dieses Jahr ist es anders”, sagte Daddy und setzte sich auf den Kofferraum. Einen Augenblick lang sah er nicht betrunken aus.“
Esch und ihre Familie sind in der Krise, bevor die eigentiche Katastrophe in Form des Wirbelsturms „Catrina“ über sie hereinbricht. Gemeinsam mit ihrem Vater und ihren drei Brüdern lebt die Dreizehnjährige auf einem verwahrlosten, kleinen Stück Land im Mississippi-Delta, in der Nähe von New Orleans, „The Pit“ genannt.
Sie gehören zum Rand der Gesellschaft. Seit dem Tod der Mutter, die bei der Geburt des jüngsten Bruders starb, weil das Geld für ärztlichen Beistand fehlte, ist die Familie mehr oder weniger entwurzelt. Der Vater resigniert und trinkt. Die Geschwister ringen verzweifelt um eine Perspektive, etwas Hoffnung, eine Zukunft. Gemeinsam kämpfen sie ums Überleben. Für Esch ist die Situation besonders schwierig. Als einziges Mädchen rangiert sie – neben ihrem jüngsten Bruder – am unteren Ende der familiären Rangordnung. Und sie ist schwanger. Halt findet sie im „Buch der klassischen Mythen“, das sie aus der Schule als Ferienlektüre mitbekommen hat und geradezu verschlingt. In Medea meint sie sich selbst zu sehen: „Sie war eine Zauberin, konnte das Natürliche dem Unnatürlichen gefügig machen. Aber trotz all ihrer Macht biegt sie sich unter Jasons Hand wie eine junge Kiefer im Sturm; er bringt sie zum Einknicken. Ich kenne sie.“
Catrina wird ihnen alles nehmen – doch zuvor wird Esch ihre Würde zurückgewinnen und die Familie während der Katastrophe im Zusammenhalt neue Stärke und Zuversicht schöpfen.
„Ein großer Wurf, literarisch wie politisch“, urteilte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über das Buch. Jesmyn Wards „Vor dem Sturm“ ist vor allem eines: ein packendes, kraftvolles und überaus poetisches Stück Literatur.